Sturmsegel – brauche ich sie wirklich?

Ein kompletter Satz Sturmsegel – Sturmfock und Trysegel – sind für Yachten, die an Hochseerennen teilnehmen, nach den entsprechenden, internationalen Vorschriften für solche Regatten obligatorisch, und das aus sehr guten Gründen. Und dieselben Gründe gelten am Ende natürlich auch für jede Fahrtenyacht, sofern diese ebenfalls hin aus auf See segelt – auch, wenn es dort keine entsprechenden Vorschriften gibt.

Schweres Wetter und Küstengewässer

In Küstengewässern sollte ein Rolly Tasker Offshore Standard-Großsegel mit zwei oder drei Reffreihen und einer schweren Fock (Genua 3 oder 4) ein guter Segelplan für Starkwind (bis zu oder um 30 Knoten Windgeschwindigkeit) oder vielleicht sogar Sturm (30 Knoten plus) sein. Aber bedenken Sie, dass jedes Segel leidet, wenn es unter extremen Bedingungen eingesetzt wird, für die es nicht entworfen wurde.

Standardsegel werden normalerweise aus leichtem Material und nicht speziell für schweres Wetter hergestellt, da diese Bedingungen beim normalen Küstensegeln eher die Ausnahme sind. Eine Genua wird in der Regel eher für leichte bis mittlere Winde ausgelegt sein. Bei starkem Wind verlieren diese Segel ihre optimale Form. Insbesondere eine gereffte, teilweise eingerollte Genua verliert ihr Profil meist völlig, was zu übermäßiger Krängung und weniger Speed führt.

Offshore- und Hochseesegeln

Wenn wir uns in den folgenden Abschnitten auf Sturmbedingungen beziehen, sprechen wir von 35 bis 40 Knoten und mehr Wind auf dem offenen Meer.

Rolly Tasker Offshore-Segel sind für Windstärken von bis zu 30 Knoten und mehr gut geeignet. Diese Segel sind für das Hochseesegeln ausgelegt und aus schwerem Tuch gefertigt. Für zusätzliche Festigkeit können sie auch mit einem doppelten Achterliek, einem „twin ply leech“, spezifiziert werden, wodurch diese Segel auch für Sturmbedingungen stark genug sind. Der mehrfache Weltumsegler Jon Sanders zum Beispiel fährt ein Rolly Tasker Offshore-Großsegel mit drei Reffs, wobei das dritte Reff ziemlich weit oben sitzt. Dreifach gerefft, verwendet Jon Sanders sein Großsegel auch bei Sturm. Er hat allerdings auch noch ein Trysegel (siehe unten) an Bord, um selbst noch extremere Bedingungen gut abwettern zu können.

Besserer Segelplan und mehr Sicherheit durch Sturmsegel

Da Sturmsegel für harte Bedingungen entworfen und hergestellt werden, stehen sie besser und sind stärker und damit sicherer als tief gereffte Segel. Vor allem wenn die Sturmfock an einem Kutterstag gesetzt wird, wandert der Schwerpunkt von Sturmfock und Trysail mehr zur Schiffsmitte. Dadurch ergibt sich eine bessere Balance und eine verbesserte Manövrierfähigkeit, was je nach Situation und Sturmtaktik entscheidend sein kann. Alternativ dazu sind die Sturmsegel klein und stark genug, um auch unter extremen Bedingungen beizudrehen.

Das Trysegel

Das Trysegel wird fliegend über dem Baum gesetzt. Ein am Segelhals angebrachter Stropp als Niederholer sorgt dafür, dass es auf der richtigen Höhe ist. Diese hängt wiederum vom gewählten oder möglichen Schotpunkt an Deck ab und natürlich davon, wie weit das Trysegel gehisst werden muss, um vom Großbaum und dem dort angeschlagenen Großsegel frei zu kommen. Das muss man einmal im Hafen testen: Setzen Sie das Trysegel im Hafen, mit der Schot am gewählten Schotpunkt. Wenn der Schotwinkel stimmt, belegen Sie das Fall und ziehen Sie das Vorliek des Trysegels mit dem Niederholer stramm. Befestigen Sie zum Schluss den Niederholer als Stropp so am Segel, dass die Länge fixiert oder deutlich markiert ist. Wenn Sie das Trysegel dann im Ernstfall setzen, müssen Sie nur vor dem Setzen den Stropp anschlagen und das Fall durchsetzen, damit das Segel von alleine auf der richtigen Höhe sitzt.

Setzen eines Tysegels

Das Setzen eines Trysegels unter echten Sturmbedingungen kann schwierig sein. Dies wird viel einfacher, wenn es eine zweite Mastschiene gibt, die parallel zur Großsegelschiene am Mast verläuft. Noch einfacher wird es, wenn diese Trysegelschiene bis auf das Deck hinab reicht. Dann nämlich könnte das Trysegel permanent angeschlagen und in einem Segelsack am Mastfuß verstaut werden. Der Segelsack kann im Boden Löcher haben, damit Regen- oder Spritzwasser ablaufen kann. Diese eher aufwändige Lösung ist allerdings eher für Yachten geeignet, die wirklich oft und regelmäßig lange Strecken über See segeln. Denn es ist die einfachste und sicherste Art, das Trysegel bei Sturm zu setzen: Fall anschlagen und hochziehen.

Alternativ kann das Trysail in der Großsegelschiene oder mit Reihleinen um den Mast gesetzt werden. Man könnte auch das Großfall am vorderen Ende des Großbaums anschlagen und dann so straff wie möglich durchsetzen. Das Fall dient nun als vorübergehendes Stag an der Achterseite vom Mast. Nun könnte das Trysegel mit Stagreitern an eben diesem „Behelfsstag“ angeschlagen und, beispielsweise, mit der Dirk als Fall gesetzt werden – der Baum wird bei Sturmbedingungen sowieso mit der Baumnock besser irgendwo an Deck festgelascht sein.

Für den Fall, dass auf See entweder das Großsegel reißt oder der Großbaum bricht, ist ein Trysegel natürlich auch immer noch ein gutes Notsegel.

Die Sturmfock

Bei Offshore-Yachten ist eine Sturmfock meist noch wichtiger, vor allem, wenn das Boot mit einer Rollfockanlage ausgerüstet ist. Denn dort ist ja meist eine ziemlich große und auch entsprechend leichte Genua angeschlagen. Die ist bei schwerem Wetter allerdings wirklich nicht optimal. Sofern eine Rollgenua halb eingerollt, also „gerefft“ wird, verliert sie ihr Profil und bei entsprechendem Wind auch ganz die Form, weil das Tuch dann zu leicht für die Windstärke ist.

Für Fahrtenyachten in Küstengewässern ist eine Sturmfock, vielleicht etwas größer als eine reine Sturmfock für die oben angesprochenen extremen Verhältnisse auf See, ein sehr nützliches Schwerwettervorsegel. Lassen Sie sich hierzu von uns beraten.

Das „Gale Sail“

Die beste Lösung für Rollvorsegel ist unser speziell entwickeltes „Gale Sail“. Dieses wird an einer „Tasche“ gesetzt, die wie eine Art Ärmel über das aufgerollte Vorsegel gezogen wird und dort sehr leicht gesetzt und geborgen werden kann. Das Segel ist in jeder Hinsicht besser, als ein teilweise entrolltes Rollvorsegel – in Form, Stabilität, Zuverlässigkeit und aerodynamischer Effizienz. Es bietet auch zusätzliche Sicherheit, da es das aufgerollte Vorsegel sichert und verhindert, dass es womöglich vom Wind erfasst und sich von alleine ausrollen könnte: Ein Effekt, den man ja leider bei Starkwind immer mal wieder im Hafen beobachten kann. Stellen Sie sich das Chaos und Drama lieber gar nicht erst vor, wenn eine Genua bei 40 Knoten Wind sich plötzlich selbst entrollt!

Kutterstag

Eine andere, sehr beliebte und effiziente Möglichkeit ist es, die Sturmfock an einem inneren Vorstag zu setzen. Entweder ist Ihre Yacht bereits Kuttergetakelt, dann ist dieses Stag bereits vorhanden. Oder aber, es wird bei Bedarf gesetzt. Einige Yachten haben ein solches wegnehmbares Kutterstag, das am Mast permanent befestigt ist, an Deck jedoch in einem speziellen Auge mittels Hebel oder Spanner eingehakt werden kann. Wird es nicht gebraucht, ist das Stag meist an den Wanten festgelascht. Dieses temporäre Stag kann aus Draht, oder auch aus entsprechend vorgerecktem Tauwerk bestehen.

Schotwinkel

Die Schotposition für die Sturmfock kann, ähnlich wie beim Trysegel, durch die Höhe des Segels am Vorstag eingestellt werden. Auch hier gehen Sie wie beim Trysegel vor: Finden Sie im Hafen die richtige Höhe und den passenden Schotpunkt an Deck und schlagen Sie dann einen entsprechenden Stropp am Hals der Sturmfock an, damit das Segel beim nächsten Setzen automatisch auf die richtige Höhe kommt.

Alles einmal Checken

Wie eben schon gesagt, es ist wichtig, Ihre Sturmsegel einmal im Hafen und vorzugsweise natürlich bei leichtem Wetter zu setzen, um Schotposition, Winkel, Höhe und alle diese Dinge in Ruhe festzulegen – bevor Sie Ihre Sturmsegel auf See bei entsprechendem Wetter das erste Mal setzen müssen!