Jon Sanders, der mittlerweile 80-jährige Multi-Weltumsegler aus Australien, kann es nicht lassen. Als erster und einziger Mensch, der dreimal nacheinander nonstop und alleine um den Globus segelte und für eine Gesamtstrecke von 71,023 Seemeilen ganze 657 Tage am Stück auf See war, hat er insgesamt zehn Weltumseglungen in seinem persönlichen Kielwasser. Nun ist er noch einmal gestartet, zu seiner 11. Weltumrundung unter Segel.

„Sag niemals nie!“, lächelte der alte Herr verschmitzt auf die Frage, ob er nicht schon nach der letzten Weltumsegelung genug gehabt habe. „Wozu soll ich zuhause an Land herumsitzen, wenn ich auch segeln könnte?“

Dabei macht er sich durchaus nützlich. Unterwegs sammelt er Wasserproben aus den Ozeanen und liefert dies dann an die Curtin University in Australien ab. Dabei hilft er dem Projekt „No Plastic Waste“ (noplasticwaste.org), damit Wissenschaftler anhand der von ihm gesammelten Proben bestimmen können, wie viel Plastik und Mikroplastik in den entlegensten Teilen der Ozeane schwimmt.

Weltumsegler Jon Sanders zusammen mit Sven Cornelius von Rolly Tasker Sails

Jon Sanders ist ein alter Segelfreund von Rolly Tasker, der ihn immer mit seinen Segeln unterstützt hat: „Es gibt keinen besseren oder härteren Test für die Qualität meiner Segel, als mit Jon nonstop unterwegs um die Welt zu sein!“, sagte Tasker einmal. Sein Freund und Nachfolger in der Firma Rolly Tasker Sails, Sven Cornelius aus Bremen, führt diese Tradition gerne fort. Er traf Jon kurz vor dessen Abreise in Fremantle um ihm alles Gute zu wünschen: „Ich bin zutiefst beeindruckt von diesem großartigen alten Haudegen der Ozeane!“, sagte er. Am 3. November ist Jon in Fremantle los gesegelt, Updates und einen Live-Tracker finden Sie hier.

Diesmal wird Jon nicht komplett nonstop segeln, sondern an einigen Punkten unterwegs anhalten – um seine Ozeanproben abzugeben. Insgesamt rechnet er damit, dass diese Reise knapp ein Jahr dauern wird. Ob der dann 81-jährige nochmal los segelt? Sag niemals nie…

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Interview von Sven Cornelius, Rolly Tasker Sails, mit Jon Sanders, kurz vor dessen Start Ende November in Fremantle.

Dies ist schon deine 11. Weltumsegelung. Nach deiner letzten sagtest du, nicht noch einmal. Warum jetzt doch wieder?
Nun, man soll niemals nie sagen! Bei meiner Ankunft von der letzten Weltumsegelung dachte ich, kann ich es mir vorstellen nochmal los zu segeln? Vermutlich nicht. Aber wie gesagt, sag niemals nie!

Du hast das alles schon gemacht, alles schon gesehen – was ist der Reiz, es wieder zu machen?
Ja und nein, es ist eine interessante Route, nicht viel Schifffahrt oder Fischerei. Das ist gut für die Wasserproben, die ich für die Universität sammeln werde.

Ist es nicht schade, an allen diesen schönen Orten, Häfen, Inseln vorbei zu segeln?
Ich habe viele Nonstop-Rekorde aus der Vergangenheit, aber diesmal werde ich insgesamt acht Häfen unterwegs anlaufen und die Proben abgeben.

Magst du die Einsamkeit auf See?
Es macht mir nichts aus, mit mir alleine zu sein. Einzelhaft wäre also wohl keine große Strafe für mich. Ich segele aber auch Regatten mit Mannschaft. Ich habe auch ganz gerne mal Gesellschaft.

Hättest du gerne im Golden Globe Race mitgemacht? Damals oder heute?
Damals hätte ich es bestimmt gerne getan, ich wusste alles darüber. Heute habe ich ein Alter erreicht, wo ich das gerne den jüngeren überlassen kann.

Was für ein Boot segelst du?
Eine alte S&S 39, die ursprünglich, 1971, als Rennyacht für den Eintonnerpokal entworfen und gebaut wurde. Sie wurde ganz knapp hinter dem Sieger zweite. Damals waren die Rennyachten auch noch ziemlich gute Hochseeboote. Vor allem am Wind segelt mein Boot sehr gut und weich im Seegang. Ab und zu gibt es einen kleinen Rums, aber ein modernes Boot haut ja in jede einzelne Welle heinein, das macht meines nicht.

Was sind die wichtigsten Faktoren für eine Hochseeyacht?
Stärke. Solidität. Mach sie stärker, stabiler, vor allem im Rigg. Erst danach kann man versuchen, sie wieder etwas leichter zu machen. Und sie sollte so einfach wie möglich sein. Außerdem kann es nicht schaden, vernünftige Segel zu haben, von Rolly Tasker Sails zum Beispiel. Die erfüllen meine wichtigsten Kriterien: Zuverlässigkeit und Haltbarkeit auch unter extremen Bedingungen. Und sie stehen gut, denn als Antrieb für mein Schiff müssen sie natürlich auch ihre Leistung zeigen… Rolly Tasker hat meine Segel für mich gemacht, seit ich ein Teenager war. Bei meiner Dreifach-Weltumsegelung hatte ich zwei Großsegel von ihm dabei. Nach einem Jahr habe ich die Segel gewechselt, und als ich endlich nach Hause kam hätte ich mit den gleichen Segeln sofort weiterfahren können. Das müssen erstmal andere Segel schaffen!

Welches sind die wichtigsten Ausrüstungsteile?
Segel, Mast, Rigg. Und natürlich eine gute, sehr zuverlässige Selbststeuerung. Möglichst mit mindestens einem Backup.

Beschreibe einmal kurz deine Route?
Von Fremantle aus segele ich nach Mauritius. Um das zu tun, geht es rund 1000 Seemeilen nach Nordwesten, dann biege ich nach Westen ab. Danach geht es unten um Südafrika herum, dann an St. Helena vorbei in die Karibik wo ich in den British Virgin Islands anhalten werden. Von dort geht es nach Panama und weiter nach Französisch-Polynesien, dann nach Neukaledonien und zurück an die Ostküste Australiens.